Der Mensch heute: Herausforderungen in einer globalisierten Welt

Wir Menschen in den modernen Industriegesellschaften sehen uns heute ganz anderen Anforderungen und Belastungen ausgesetzt als noch unsere Eltern. Globalisierung und Technisierung haben zu einer enormen Beschleunigung all unserer Kommunikations- und Arbeitsprozesse geführt. Der jederzeitige Zugriff auf praktisch jede Information der Welt ist zugleich Segen und Fluch des modernen Menschen. Jederzeitige Erreichbarkeit wird von vielen von uns ebenso erwartet wir der Überblick über ein permanent auf uns niedergehendes Email- und Informationsbombardement. Der globale Wettbewerb mit Menschen, Universitäten und Unternehmen auf der ganzen Welt wird von vielen Arbeitnehmern als weitere Belastung erlebt. Eine stetige Zunahme von Verkehr und Verstädterung reduziert unsere Möglichkeiten für Entspannung und Erholung.

Während einige von uns die anwachsende Komplexität unserer Lebensumwelt als besondere persönliche Herausforderung erleben, die sie zu Höchstleistungen und Kreativität anspornt, fühlen sich immer mehr Menschen als Opfer dieser Entwicklungen. Das zeigt sich zum Beispiel an einer gerade in den letzten zwei Jahrzehnten immer weiter ansteigenden Zahl von psychischen Erkrankungen, vor allem von Depressionen. In der Öffentlichkeit wird dabei häufig von dem sog. „Burn-out“ gesprochen. So hat sich in Deutschland zwischen 2005 und 2014 die Zahl der Antidepressiva-Verordnungen verdoppelt, von 717 Millionen Tagesdosen auf 1,4 Milliarden Tagesdosen. Mit dieser Menge könnte man jeden Bundesbürger, vom Säugling bis zum Greis, für etwa 17 Tage pro Jahr mit einem Antidepressivum behandeln. Trotzdem hat sich die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt.

Es wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ganz besonderer Anstrengungen von Politik, Stadt- und Verkehrsplanern, Bildungseinrichtungen und Gesundheitssystem sowie Unternehmen, die ihrer Verantwortung für ihre Arbeitnehmer gerecht werden wollen, bedürfen, um diese enormen Herausforderungen – die in den nächsten Jahren zudem sicher nicht kleiner werden – zu bewältigen.