Wachen, Schlafen, Stress bewältigen

Wachen und Schlafen

Wachen und Schlafen sind komplex gesteuerte Prozesse, die einer sog. circadianen Rhythmik, d.h. einem Rhythmus von ungefähr einem Tag Dauer, unterliegen. Dieser Rhythmus wird vom Gehirn gesteuert und unterliegt zahlreichen Umwelteinflüssen (z.B. Lärm, Schichtarbeit, künstliche Beleuchtung). Dabei ist Schlaf nicht die Abwesenheit von Wachheit, sondern ein aktiver, energieverbrauchender Prozess, bei dem charakteristische Schlafzyklen durchlaufen werden. In der ersten Nachthälfte liegen typischerweise die längeren Tiefschlafphasen, während die zweite Nachthälfte vom sog. REM-Schlaf (REM = „rapid eye movements“) gekennzeichnet ist. Zentrale Hirnstrukturen für die Regulation des Schlaf/Wachrhythmus sind das sogenannte Aufsteigende Retikuläre Aktivierende System (ARAS) im Hirnstamm, der Thalamus als zentraler Filter für alle Sinnesinformationen, die die Großhirnrinde erreichen könnten, sowie der Hypothalamus, der durch die Integration hormoneller Signale zur Aufrechterhaltung des internen Milieus (zur sog. Homöostase) wesentlich beiträgt.

Schlafstörungen sind extrem häufig. Es wird geschätzt, dass ein Viertel der Patienten, die einen Hausarzt aufsuchen, unter Schlafstörungen leiden. Schlafmangel gehört heute zum Leben des modernen Menschen in den westlichen Industriegesellschaften, und viele empfinden es als chic, wenig zu schlafen und damit ihr Leistungsvermögen zu dokumentieren. Viele Menschen schlafen nur noch am Wochenende oder im Urlaub ausreichend. Ausreichender und guter Schlaf ist jedoch die Grundlage für körperliche und psychische Gesundheit. Chronischer Schlafmangel erhöht das Risiko für die Entwicklung von Depressionen, und neuere Studien zeigen sogar, dass er häufig auch der Entwicklung von Demenzen vorausgehen kann. Auch für viele körperliche Erkrankungen wurde eine Assoziation mit chronischen Schlafstörungen gezeigt. Neuerdings wurde sogar die Hypothese formuliert, dass die weltweite Adipositas-Epidemie auch eine Folge des chronischen Schlafdefizits des modernen Menschen sein könnte. Die Bedeutung ausreichenden und guten Schlafs für das körperliche und psychische Wohlbefinden des Menschen kann daher gar nicht überschätzt werden.

Stress

Stress ist eine völlig natürliche Reaktion des Körpers auf neue Umweltreize. Es handelt sich um einen physiologischen Zustand erhöhter Wachheit und Konzentration. Eine Stressreaktion ist also zunächst eine gesunde Reaktion auf eine Herausforderung, die unsere Umwelt an uns richtet. Ungesund wird Stress dann, wenn er andauernd auf uns einwirkt, also chronisch wird, denn dann kann er zu erheblichen Beeinträchtigungen von Körperfunktionen führen und zahlreiche Erkrankungen auslösen oder zumindest begünstigen, darunter z.B. Depressionen und wahrscheinlich sogar Demenzen.

Durch Stress kommt es im Gehirn zu einer Aktivierung des Hypothalamus. Hierbei handelt es sich um ein übergeordnetes zentrales Regulationszentrum vieler Prozesse im gesamten Körper. Dies hat unter anderem zur Folge, dass es, vermittelt über eine Zwischenstation in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), zu einer gesteigerten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol kommt. Cortisol bewirkt nun alles, was in einer kurzfristigen Stresssituation sinnvoll ist: der Blutdruck steigt ebenso wie der Blutzuckerspiegel, weiterhin wird das Immunsystem gehemmt. Diesen Zustand der erhöhten Leistungsfähigkeit bezeichnet man auch als Eustress. Steigt das Stressniveau im Körper jedoch auf ein Niveau, das vom Menschen als nicht mehr kontrollierbar empfunden wird, führt es zur Lähmung, innerer Anspannung, Verlust von Konzentration und Aufmerksamkeit und letztendlich zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit. Man spricht von Disstress.

Die kurzfristig sehr sinnvollen Stressprozesse haben langfristig negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Typische Ursachen wie Zeitdruck, Konflikte, Schlafmangel, Lärm, aber auch Geldmangel, belastende Ereignisse wie Trennungen oder chronischer Stress am Arbeitsplatz können auf Dauer das Herzkreislaufsystem, den Bewegungsapparat, das Magen-Darm-System, vor allem aber auch viele Funktionen unseres Zentralnervensystems beeinträchtigen. Ein ausgeglichener Lebensstil mit Ruhephasen, Pausen und Zeit für sich selbst und seine Partnerschaft ist deshalb wichtig und kann durch kein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt werden.